Finesse-Angeln auf Barsch und Zander: Eine subtile Herangehensweise mit großem Erfolg

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Finesse-Angeln ist die Kunst, Raubfische mit einer subtilen, oft langsamen Präsentation kleiner Kunstköder zu verführen. Wo aggressive Wurftechniken und große Köder manchmal versagen, bietet Finesse-Angeln einen äußerst effektiven Ansatz, insbesondere für schwierige oder vorsichtig jagende Barsche und Zander.

In diesem Blog tauchen wir tiefer in die Welt einiger Finesse-Techniken ein, wobei wir Rigs wie das Carolina-Rig, Kickback-Rig und Ned-Rig beleuchten. Darüber hinaus besprechen wir das benötigte Material, die Umstände, unter denen Finesse-Angeln besonders gut zur Geltung kommt, und geben praktische Tipps für mehr Erfolg am Wasser.

Warum Finesse-Angeln auf Barsch und Zander? 

Das Barschangeln hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erlebt und ist sehr beliebt, nicht verwunderlich, denn es ist wohl der schönste Fisch in unseren Gewässern. Ein Begriff, den ich oft von anderen Anglern höre, ist „wenn Barsche einen Meter groß werden könnten, würde ich auf nichts anderes mehr angeln“. Durch diese Popularität ist es jedoch so, dass es nicht einfacher geworden ist.

In Gewässern mit hohem Angeldruck oder unter schwierigen Bedingungen (wie klarem Wasser, kälteren Temperaturen oder geringer Aktivität) reagieren diese Fische oft nicht mehr auf laute oder größere Köder, da sie die Schläge der Peitsche inzwischen kennen. Genau hier kommt das Finesse-Angeln ins Spiel.

Ziel ist es, mit kleinen und natürlich aussehenden Ködern und einer subtilen Präsentation dennoch den Biss zu provozieren. Dabei geht es nicht um rohe Kraft, sondern um Finesse: feine Materialien, kleine Shads/Creaturebaits, Würmer und durchdachte Rigs, mit denen man den Köder sehr attraktiv und natürlich präsentieren kann.

Essenzielle Materialien für Finesse-Techniken

Das Finesse-Angeln stellt andere Anforderungen an Ihre Ausrüstung als das traditionelle Raubfischangeln. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Utensilien:

  1. Rute
    Eine Finesse-Rute ist meist leicht bis ultraleicht, mit einer schnellen oder mittelschnellen Aktion. Längen zwischen 1,90 und 2,40 Meter sind ideal. Wählen Sie eine Rute mit einer sensiblen Spitze, um subtile Bisse zu erkennen. Gute Finesse-Ruten haben ein Wurfgewicht von 5 bis 20 Gramm. Hier listen wir einige für Sie in verschiedenen Preisklassen auf, wobei festgestellt werden kann, dass die Shimano Poison Adrena die vielseitigste Rute für die verschiedenen Finesse-Techniken ist. Denken Sie dabei an eine Westin W8 Finesse T&C, eine Westin W3 Finesse T&C oder eine Spro Specter Finesse.

  2. Rolle
    Eine leichte Spinnrolle (Größe 1000–2500) reicht in den meisten Situationen hervorragend aus.
    Bei dieser Art des Angelns angelt man den ganzen Tag aktiv mit der Ruten-/Rollenkombination. Das Gewicht dieser Kombination sollte daher so leicht wie möglich sein, um den ganzen Tag bequem angeln zu können. Auch hier sticht Shimano hervor, da sie verschiedene Modelle anbieten, die perfekt für diese Art des Angelns geeignet sind, und es gibt Modelle für jeden Geldbeutel, wie die Shimano Vanquish, eine Shimano Vanford oder eine Shimano Miravel.

  3. Schnur
    Finesse erfordert dünne Schnüre für eine bessere Präsentation und Empfindlichkeit. Verwenden Sie geflochtene Schnur (PE 0.4–0.10/ 4–8 lb) als Hauptschnur, Fluorocarbon wird dabei als Vorfachmaterial verwendet, Längen und Dicken des Vorfachs passen wir der angewandten Taktik an. Fluorocarbon ist unter Wasser praktisch unsichtbar und hat eine höhere Abriebfestigkeit, diese Abriebfestigkeit ist sehr wichtig, da wir oft an steilen Abhängen angeln, die oft mit Steinen/Kies und/oder Muscheln übersät sind, die messerscharf sind.

  4. Kleine Kunstköder
    Shads von 5-10 cm, Creature Baits, kleine Würmer, Finesse Tubes und Craw-Imitationen funktionieren hervorragend. Halten Sie die Farben in klarem Wasser natürlich (wie grün, braun, weiß) und verwenden Sie in trübem Wasser etwas hellere Farben (Chartreuse, Orange, Motor Oil mit Glitzer).

  5. Bleiköpfe und Gewichte
    Verwenden Sie leichte Bleiköpfe von 1–10 Gramm, je nach Tiefe, Strömung und Köder. Für spezielle Rigs wie das Carolina-Rig sind Bullet Weights unerlässlich, und beim Ned-Rig werden spezielle Mushroom Heads verwendet.
    Wählen Sie Ihre Gewichte vorzugsweise aus Wolfram, es ist etwas teurer in der Anschaffung, aber Sie spüren damit so viel mehr. Jede Muschel oder Kiesbank können Sie fehlerfrei an der Spitze spüren, wenn Sie mit Wolfram angeln. Das ist ein großer Vorteil, denn das sind oft die Stellen, an denen sich Barsch und Zander aufhalten.

        

 

Technik 1: Das Carolina-Rig – weit verteilt und subtil

Was ist das?
Das Carolina-Rig ist ein Klassiker in der Barsch- und Schwarzbarschfischerei, obwohl es hier in den Niederlanden noch nicht sehr lange angewendet wird. Es besteht aus einem frei gleitenden Gewicht, am besten nimmt man dafür Wolfram. Darunter eine Glasperle, gefolgt von einem Wirbel, einem Fluorocarbon-Vorfach (30–80 cm) und einem Offset-Haken mit Softbait, meist einer Art Krebsimitation. Das Gewicht gleitet frei auf der Schnur und ist somit nicht am Köder befestigt, wodurch Sie Ihren Köder sehr schön und natürlich präsentieren können. Besonders in den Wintermonaten, wenn Ihre Köderpräsentation nicht langsam genug sein kann, ist dies die Methode!

Wie angeln?
Auswerfen und die Montage an einer straffen Schnur zum Grund absinken lassen. Mit kurzen Zupfern, abwechselnd mit etwas längeren Zügen, das Blei über den Grund ziehen, während der Kunstköder sanft hinterherschwebt. Lassen Sie die Montage regelmäßig ganz still liegen, legen Sie also Pausen während des Einholens ein. Pausen von einigen Sekunden sind oft der Moment, in dem der Biss erfolgt. Wenn Sie einen Zupfer bekommen, schlagen Sie nicht sofort an, sondern fühlen Sie mit sehr leichter Spannung an der Rutenspitze, was passiert. Meistens läuft die Schnur sofort weg, das ist der Moment des Anhiebs. Manchmal bekommen Sie nur einen Zupfer, bringen Sie dann den Köder wieder sanft in Bewegung, um eine Reaktion zu provozieren.

Technik 2: Das Kickback-Rig

Was ist das?
Das Kickback-Rig ist ein System, bei dem das Blei an einer losen Seitenschnur gefischt wird. Es ist eine äußerst effektive Methode für Barsche in den kälteren Monaten. Dadurch hat der Kunstköder viel Bewegungsfreiheit und eine lebhafte Aktion bei minimalem Aufwand. Während das Carolina-Rig oft subtiler mit leichteren Wurfgewichten eingesetzt wird, verwende ich das Kickback-Rig am liebsten mit schwereren Bleigewichten, es ist also eine etwas gröbere Methode und nicht mehr ganz Finesse. Besonders gut einzusetzen an Tagen mit raueren Wetterbedingungen wie starkem Wind und Wellengang oder wenn man weiter angeln möchte. Ich fische diese Montage auch sehr gerne mit größeren Shads anstelle von Krebsimitationen. Auch in fließenden Gewässern wie Flüssen ist diese Methode sehr erfolgreich.

Wie angeln?
Auswerfen und die Montage an einer straffen Schnur zum Grund absinken lassen. Ziehen Sie das Blei mit ruhigen Zügen über den Grund, während der Kunstköder sanft hinterherschwebt. Variieren Sie mit längeren und kürzeren Zügen und legen Sie Pausen ein, Pausen von einigen Sekunden sind oft der Moment, in dem der Biss erfolgt. Wenn Sie einen Zupfer bekommen, schlagen Sie nicht sofort an, sondern fühlen Sie mit sehr leichter Spannung an der Rutenspitze, was passiert. Meistens läuft die Schnur sofort weg, das ist der Moment des Anhiebs. Manchmal bekommen Sie nur einen Zupfer, bringen Sie dann den Köder wieder sanft in Bewegung, um eine Reaktion zu provozieren.

Technik 3: Das Ned-Rig – minimalistisch und effektiv

Was ist das?
Das Ned-Rig besteht aus einem kleinen, geraden Softbait (oft in Wurmform) auf einem leichten Mushroom-Jigkopf. Der Köder bleibt schön aufrecht auf dem Grund stehen, was einen Beute suchenden Fisch imitiert. Eines der minimalistischsten und effektivsten Rigs für Barsch und oft auch Zander.

Wie angeln?
Werfen Sie das Ned-Rig aus und lassen Sie es zum Grund absinken. Holen Sie es langsam ein, mit regelmäßigen Pausen von einigen Sekunden. Das Rig funktioniert auch hervorragend beim einfachen „Dead Sticking“: nichts tun und warten. Die Form und Position des Köders erledigen die Arbeit.

Technik 4: Twitchbaits, kleine Wobbler und lippless Cranks

Twitchbait
Ein Twitchbait ist ein schlanker Wobbler, der in verschiedenen Größen und Sinkraten erhältlich ist. Am schönsten und besten zu verwenden sind die schwebenden Modelle, diese bleiben nämlich während eines Spinstops, was nichts anderes ist als eine kurze Pause während des Einholens, in der Tiefe hängen. Einen Twitchbait holen Sie mit variierten Zupfern/Zügen ein, so dass der Twitch in alle Richtungen schießt. Die sogenannten Spinstops wenden Sie bei dieser Technik häufig an, oft erfolgen die Bisse während des Stillstandes oder beim erneuten Anziehen des Twitchbaits.

Kleine Wobbler und Lipless Cranks
Ob kleine Wobbler und Lipless Cranks unter „Finesse“ fallen, ist ein bisschen fraglich, trotzdem nehme ich sie hier mit auf, da sie in Ihrer Tacklebox unverzichtbar sind. Der Salmo Hornet zum Beispiel, dieser hat regelmäßig Angeltage retten können. Dieser nervöse kleine Wobbler ist natürlich ein wahrer Klassiker, und es gibt nur wenige Barsche, die ihn links liegen lassen. Besonders vom Boot aus lassen sich diese auch gut einsetzen, da sie schnell in die Tiefe kommen und man sie sehr schön am Hang entlang angeln kann.

Dieser Ködertyp hat eine sehr nervöse, aggressive, wackelnde Aktion und lässt sich sehr gut als Suchköder einsetzen. Man fischt ihn in der Regel schnell ein und kann so in kurzer Zeit viel Wasser abdecken. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass diese Köder in der Regel sehr gut zu werfen sind, wodurch bestimmte Strukturen/Böschungen weiter vom Ufer entfernt erreichbar werden. Auch an Tagen mit starkem Wind und grobem Wellengang lassen sie sich sehr gut einsetzen. Lassen Sie sie an einer straffen Schnur zum Grund absinken, beginnen Sie dann, sie jiggent mit längeren Zügen zurückzufischen. Nach einem Zug lassen Sie den Köder an einer straffen Schnur wieder absinken. Das Absinken kann bis zum Grund erfolgen, aber diese Technik lässt sich auch gut im Mittelwasser anwenden. Der Biss kommt in der Regel beim Absinken, aber auch oft in dem Moment, in dem Sie dem Köder wieder einen Zug geben wollen, bei letzterem spüren Sie plötzlich einen trägen Widerstand anstelle eines charakteristischen Zupfens.

Standorte und Platzwahl

Beim Finesse-Angeln ist der Standort mindestens genauso wichtig wie die Technik, noch besser: Der Standort ist alles! Suchen Sie nach Orten mit:

  • Struktur (Brückenpfeiler, Ufermauern, Stege)
  • Übergänge in der Bodenstruktur (weich zu hart, flach zu tief)
  • Schattige oder strömungsreiche Zonen

Für Barsche sind Stadtgewässer, Häfen, Kanäle und Kiesgruben oft interessant. Zander hingegen findet man oft in tieferen Flussabschnitten, Buhnenfeldern und Strömungskanten. Achten Sie auf visuelle Anzeichen: jagende Fische, Futterfische oder Echos auf dem Fischfinder.

Tipps für erfolgreiches Finesse-Angeln

  1. Passen Sie Ihr Tempo an
    Finesse ist in der Regel langsam, besonders im Winter, wenn wir es mit sehr niedrigen Wassertemperaturen zu tun haben. Nehmen Sie sich Zeit, eine Zone gründlich auszufischen. Lieber langsam und kontrolliert als schnell und unruhig.
    Einen Wurf zurückzufischen kann manchmal Minuten dauern.
  2. Achten Sie auf kleinste Signale
    Manchmal ist ein Biss nicht mehr als ein subtiles Zupfen oder eine kleine Schnurverlagerung. Halten Sie die Schnur konstant unter Spannung.
  3. Experimentieren Sie mit der Köderpräsentation
    Wechseln Sie zwischen Twitches, Schleppbewegungen und Stillstand. Jeder Tag kann eine andere Präsentation erfordern.
  4. Seien Sie geduldig bei den Bissen
    Barsche und Zander saugen Finesse-Köder oft ruhig ein. Ein zu früher harter Anschlag kann zu Fehlbissen führen.
  5. Verwenden Sie Geruch oder Attraktor
    Fügen Sie Ihren Softbaits Geruchsstoffe hinzu, um eine zusätzliche Verlockung zu schaffen.
  6. Der letzte und vielleicht einer der wichtigsten Wege zum Erfolg
    Wissen Sie immer, in welche Richtung und Entfernung Sie geworfen haben, dies bringt zu 100% mehr Fisch. Oft liegen Barsche, aber auch Zander, zu mehreren zusammen, zum Beispiel auf einer Muschelbank oder einem Kiesstreifen am Abhang. Versuchen Sie, eine solche Stelle, an der Sie Aktion haben, so gut wie möglich auszubeuten, indem Sie genau darauf achten, aus welcher Richtung und Entfernung die Aktion kam. Dies können Sie zum Beispiel tun, indem Sie Orientierungspunkte nehmen, zum Beispiel einen Baum auf der anderen Seite.
  7. Stillstand
    Bleiben die Bisse an einer Stelle aus, versuchen Sie unbedingt noch eine andere Technik an diesem Spot anzuwenden. Oft bringt dies noch zusätzliche Bonusfische, obwohl Sie dachten, die Stelle sei „tot“. Abwechslung ist die Würze des Lebens!

Abschließend

Finesse-Angeln ist mehr als nur Angeln mit kleinen Ködern. Es ist eine Technik, bei der es um Kontrolle, Präzision und Subtilität geht, und vor allem auch um Selbstbeherrschung und Geduld, da bestimmte Finesse-Techniken wie Carolina und Kickback sehr langsam eingeholt werden. Für Barsch und Zander ist es oft der Schlüssel zum Erfolg an schwierigeren Tagen. Durch die Beherrschung von Techniken wie dem Carolina-Rig, Kickback-Rig und Ned-Rig erhöhen Sie Ihre Chancen erheblich – selbst in stark beangelten oder schwierigen Gewässern. Mit dem richtigen Material, Geduld und Liebe zum Detail verwandelt sich das Finesse-Angeln von einer alternativen Taktik in einen festen Bestandteil Ihres Arsenals. Es lohnt sich auf jeden Fall, es zu lernen, denn die Belohnung ist oft ein gut gefülltes Netz mit wunderschönen Fischen!

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